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Entdecken
Sie Mallorca!
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Die vielseitigste Mittelmeerinsel für jede Jahreszeit, ein Eiland zwischen
Masse und Klasse
Wildes Zikadengeschrei im Ohr und Pinienduft in der Nase, die heiße Sonne
im Nacken und unten durch das Grün der Pinienkronen die türkisblaue
Bucht mit ihrem weißen Sandsaum: Die Cala Mondragó ist nur eine
von hunderten kleiner Sandbuchten rund um die Insel. Und sie entspricht so ganz
dem Traumbild von Sonne, Sand und Mittelmeer. Dass sie zudem auch noch nahe-
zu unbebaut ist und zum streng geschützten Naturpark erklärt wurde,
signalisiert ökologische Einsicht, die andernorts im Mittelmeerraum eher
unbekannt ist.
Weit nach Mitternacht kocht die Stimmung im Oberbayern über. »Zicke,
zacke, hoi, hoi, hoi!« »Mister Arenal« wird, wer, nackt bis auf
die Socken, die meisten Damenslips eingesammelt hat. Danach tritt Chris Roberts
auf und singt: »Mein NAME ist Hase
«
Für die Hochsaison wird die Polizeipräsenz an der Platja de Palma
um einige Hundertschaften vom spanischen Festland verstärkt, nach Totschlag
im Vollrausch und Mord am »Bierkönig« eine notwendige Maßnahme,
die das Gefühl von law and order wiederhergestellt hat, rund um den berühmt-berüchtigten
Ballermann 6.
Unter mannshohen Bambushainen murmeln Wasser, Sonnenreflexe verzaubern stille
Teiche, uralte Palmenkronen wiegen sich über plätschernden Wasserspielen,
und ein überwältigender Duft unzähliger weißer Orangenblüten
vollendet dieses Märchen aus Tausendundeiner Nacht in den Jardins d''Alfabia,
den Gärten von Alfabia. Winter auf Mallorca, zwei Flugstunden vom Schmuddelwetter
in der kalten Heimat entfernt.
1 000 pluderbehoste, schuh-wichsgeschwärzte, säbelschwingende moros
prallen auf 800 weiß gekleidete, mit Pinienstangen bewaffnete cristians.
Durch mesclat aufgeputscht, simulieren sie eine Schlacht aus dem Jahr 1550.
Das Gute, sprich: das Christentum, siegt, und verschwitzt, trunken von Schnaps,
Hitze und Gebrüll, ziehen die Männer, begleitet vom Tedeum des Männerchores,
in die Pfarrkirche von Pollença ein. Ergriffen hören die Frauen
auf zu fächeln, die Stimme des Priesters beginnt zu zittern, dem Fremden
wird die Gastrolle bewusst: Dies ist eine durch und durch mallorquinische, ach
was, pollencinische Angelegenheit, mitten in der Hochsaison, am 2. August, und
hat mit Tourismus absolut nichts zu tun.
Über dem Berggipfel kreist
lautlos ein Fischadlerpärchen, ganz unten im Tal bedecken die rote Erde,
zaghaft beschienen von der Frühlingssonne, weiße Schleier blühender
Mandelbäume, die sich von einem lilablauen Wolkenhimmel abheben.
Die Wandergruppe
verzehrt mit Genuss Mitgebrachtes: pa amb oli (Brot mit öl und Tomate)
und feuerrote sobrasada (Schweinemettwurst), köstlicher Inselwein rinnt
durch die Kehlen, und die Welt ist an diesem Tag in Ordnung.
Bilder aus Mallorca, bunt und kontrastreich wie die ganze Insel. Kaum ein anderes
europäisches Reiseziel ist deshalb auch so in aller Munde. Mehr als 7 Millionen
Touristen besuchen jährlich die größte der Baleareninseln -
sie können sich nicht irren. Was sie in ein oder zwei Ferienwochen zu Gesicht
bekommen, hängt ab vom jeweiligen Interesse, von Geldbeutel und Tatendrang,
aber auch vom Reisedatum. Die Insulaner teilen das Jahr in zwei Hälften,
die temporada, die Zeit vom 1. Mai bis zum 31. Oktober, und den hivern, den
Winter, in dem die meisten arbeitslos sind und vom Ersparten der betriebsamen
Saison leben. Sonne, Sand und Meer sind die Grundmotive für die allermeisten
Sommergäste. Mit mehr als 180 Sandstränden, deren Gesamtlänge
etwa 50 Kilometer beträgt, werden Mallorcas Küsten diesem Wunsch gerecht;
das Wasser rund um die Balearen gilt als sauberstes im ganzen Mittelmeerraum,
und seine Bläue krönt jeden Badetag, jede Küstenfahrt.
Der Sehnsucht vorwiegend nordeuropäischer
Gäste, so nah wie möglich am Meeresstrand zu sein, entsprach General
Franco in den 60er-Jahren voll und ganz mit seinem staatlich verordneten touristischen
Expansionsprogramm, mit dem die massive Küstenbebauung Mallorcas sowie
das spanische, vor allem aber das mallorquinische Wirtschaftswunder ihren Anfang
nahmen.
Ein zweites
Wunder geschah, als in den 80er-Jahren der wachsende Protest organisierter Umweltschützer
Einsicht zumindest bei einigen Politikern weckte, der bis dahin nahezu ungezügelten
Bauwut Einhalt zu gebieten. Erstmals beschloss das balearische Parlament Gesetze,
die zukünftige Hotelbesitzer verpflichteten, mit jedem neuen Gästebett
60 Quadratmeter Grünfläche anzulegen, und ein Drittel der Insel unter
Naturschutz stellten.

Damit wurde Mallorca zum Vorreiter in Sachen Umweltschutz im gesamten Mittelmeerraum.
Weg von Quantität, hin zu Qualität - das war und ist das erklärte
Ziel der Inselverantwortlichen. Laut einem 1998 verabschiedeten Gesetz darf
ein neues Hotel nur dann entstehen, wenn ein ausgedientes geschlossen oder abgerissen
worden ist. Dem Raumordnungsgesetz von 1999, das das Baufieber dämpfen
sollte, stehen jedoch leider immer noch vor Jahrzehnten eingebrachte und genehmigte
Bauanträge entgegen, die der seit Juni 1999 amtierenden Mitte-Links-Regierung
und ihrem ökologischen Engagement Probleme bereiten. Dennoch: In die Jahre
gekommene Strandpromenaden wurden und werden verschönert und begrünt,
weggespülte Strände künstlich verbreitert, neu entstandene Hotels
mit weitläufigen Parks und Freizeitanlagen versehen. Mallorcas hochmoderner
Flughafen ist in der Lage, an Spitzentagen 120 000 Passagiere abzufertigen,
das Straßennetz ist geradezu vorbildlich, sowohl im Hochgebirge der Serra
de Tramuntana als auch im Landesinneren. Rund um die Insel gibt es mehr als
40 Sporthäfen, und 17 Golfplätze bieten die unterschiedlichsten Grüns.
3 000 Transferbusse und 35 000 Mietwagen stehen in der Saison für die Feriengäste
bereit, für die 3,6 Millionen Deutschen, die 2 Millionen Briten, die 650000
Spanier und immerhin auch schon 100000 Besucher aus den ehemaligen Ostblockländern.
Und wieder wirkt es wie ein Wunder,
dass dieses Eiland von nur 3 640 Quadratkilometern angesichts solcher Zahlen
selbst in der Hochsaison noch Platz für Einsamkeitsfanatiker hat. Man muss
weiß Gott kein Yachtbesitzer sein, um auch noch mitten im August kleine
Buchten oder Strandabschnitte ohne kunterbunten Badebetrieb aufzuspüren,
an denen das Schwappen des Meeres und der Gesang der Zikaden den Ton angeben.
Wenn Hahnenschrei
oder Schafsglockengeläut den Wecker ersetzen, hat man ganz sicher eine
finca oder ein Landhotel gebucht, wohnt weitab vom Küstenrummel im Hinterland,
meistens in uraltem Sandsteingemäuer unter Holzbalkendecken, schläft
eventuell in einem Himmelbett und darf allenfalls mit dem Besuch von Nachbars
Kater rechnen. Es ist auch nicht unbedingt nötig, gleich einen der über
40 Tausendergipfel der Serra de Tramuntana zu besteigen, um mit sich und der
Natur allein zu sein. Oft genügt schon ein kleiner Fußmarsch vom
Hotelstrand über Felsklippen und um die Ecke - und siehe da: kein Mensch.
Und wie gehen die Einheimischen mit diesen alljährlich wie Zugvogelschwärme
auf ihre Insel einfallenden Fremden um? Erstaunlich gelassen. Im Lauf der Jahrhunderte
hat Mallorca mit Römern und Arabern, Wandalen und Byzantinern, ja auch
mit den Festlandspaniern immer wieder Besatzungen erlebt. Duldung und Integration
lagen den Insulanern wesentlich mehr als hitziger Widerstand oder Hass. Was
Kritiker als Phlegma der mallorquinischen Mentalität bemängeln, legen
andere als Toleranz aus. Und tatsächlich zeichnet die Inselbewohner eine
Art freundlicher Zurückhaltung aus, etwa nach dem Motto »Leben und
leben lassen«. Einmischung in Andersgeartetes, Indiskretion sind verpönt.
Das schafft eine für den Fremden freundliche Atmosphäre und zugleich
eine angenehme Form der Distanz.
Wer Mallorca zum ersten Mal bereist, kommt ganz gewiss mit Vorurteilen; zu viel
und oft auch zu klischeehaft wurde und wird über die Insel berichtet. Kaum
eine deutsche Fernsehstation, die nicht mindestens eine Sommersendung auf die
Insel verlegt. Wenn prominente Inselgäste und ganz normale Häuslebauer
schon nach zwei, drei Aufenthalten von »ihrer« Insel reden, mag das
ihrer persönlichen Empfindung entsprechen. Mallorca in seiner Eigenart
und Vielfalt werden sie jedoch schwerlich kennen gelernt haben. Der wahre Charme
der Insel und ihrer Bewohner erschließt sich nicht im Handumdrehen; er
will poc a poc, gemächlich, wie es die Mallorquiner selber lieben, entdeckt
werden.

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